Amatsunawa

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Technisches Blog Öl-, Wachs- und Konditionierungshinweise

Jute hackling
Jute hackling
Jeder sollte sich der potenziellen Gefahren bewusst sein, die mit Jutebatschöl (JBO) verbunden sind. Da es billig ist, wird es weitläufig bei Jutegarnen angewendet. JBO ist ein giftiges Mineralöl, das Kohlenwasserstoffe im C15–C20–Bereich enthält. Dies bedeutet nicht, dass die Verwendung von JBO-haltigen Seilen zu Hautkrebs führt. 10-15% aller an Lungenkarzinomen Erkrankten haben beispielsweise nie geraucht und viele, die 20 Zigaretten pro Tag rauchen, werden keinerlei Symptome aufzeigen.

Einige Jutegarne werden für Haushaltswaren hergestellt, bei welchen der Geruch von JBO nicht akzeptabel ist. Die Jutequalität für Teppichrücken (carpet backing grade / CB) wird für das Weben auf Van de Wiele-Webstühlen verwendet. Dieses Garn wird speziell zum Weben gesponnen und verfügt über einen anderen Batschölgehalt und eine andere Drehung als Jutegarn, welches für das Verdrehen zu einem Seil gesponnen wird.

Batschöl ist ein wesentlicher Bestandteil, da es die Festigkeit erhöht. Während der Kardierung werden die einzelnen Jutefilamente parallel ausgerichtet. Durch das Strecken werden die Filamente dann so bewegt, dass sie sich gleichmäßig überlappen. Das Öl ist das Bindemittel und wird in der Batschstufe unmittelbar vor dem Spinnen aufgetragen. Beim Spinnen werden die geölten Filamente verdreht und zu einer einzigen Lage zusammengepresst. Jede mehrlagige Konstruktion wird anschließend durch das gegenseitige Verdrehen einzelner Lagen hergestellt.

Der Ölgehalt ist wichtig. Wie auch beim menschlichen Haar führt ein zu geringer Ölgehalt zu Trockenheit und Brüchigkeit. Ein zu hoher Ölgehalt hingegen macht es schwer und fettig. Zu viel Öl kann das Garn durch Schlupf schwächen. Die Filamente müssen sich einwandfrei verbinden, um die Kohäsion zu maximieren.

Das Entfernen von JBO aus dem Seil durch Einweichen, Kochen, Dämpfen oder Backen schädigt seine Integrität. Wenn das Batschöl entfernt wird, ist bei der ersten Längsspannung des Seils ein Knarren und Knacken zu hören. Dies sind die Geräusche von Mikrorissen. Hierbei bewegen sich die Filamente und brechen, weil das kohäsive Medium entfernt wurde.

Eine Methode zur Reduzierung des JBO-Geruchs besteht darin das Seil Sonnenlicht oder ultravioletten Strahlungsquellen auszusetzen. Da Jute jedoch noch lange nach der Ernte lichtempfindlich ist, verringern photochemische Veränderungen der Mittellamelle die Kohäsion zwischen den Zellen in den Filamenten. Übermäßig hohe Temperaturen schwächen Jute ebenso und sollte daher von Wärmequellen ferngehalten werden.

Die Anwendung von VOT (Vegetable Oil Treated) als Ersatz für JBO ist ebenso sehr komplex. Einige Mühlen verwenden nicht nachhaltiges Palmöl oder Rizinusöl etc., oder mischen diese beispielsweise mit Sojaöl von niedriger Qualität. Diese (Öle) können zu unerwünschter Ranzigkeit führen. Eine Gaschromatographie/Massenspektroskopie kann identifizieren was tatsächlich verwendet wurde.

Um ein Verderben des Öls auszuschließen, ist es wichtig die Sojabohnensamen gründlich zu reinigen und zu trocknen, bevor diese kaltgepresst oder per Expeller gepresst werden. In dieser Phase des Extraktionsprozesses begünstigt Wärme die Bildung von Oxidantien. Per Expeller gepresstes Sojabohnenöl enthält mehr Tocopherole und Phytosterole und liefert dadurch mehr natürliche Antioxidantien zur Vermeidung von Ranzigkeit.

Sobald das Garn die Spinnmaschine verlässt wird es beschichtet, um die Fasern in Position zu halten und die Haarigkeit auf ein Minimum zu reduzieren. Da dies bei Industrieprodukten keine Rolle spielt, überspringen viele Mühlen diesen Schritt, um Kosten einzusparen. Eine gängige Wahl der Beschichtung ist PVA (Polyvinylalkohol). PVA ist ein farbloses, geruchloses, wasserlösliches und synthetisches Polymer, das häufig bei der Papierherstellung und bei Textilien verwendet wird. Es verleiht eine leichte stärkeähnliche Steifigkeit. Um das von Amatsunawa spezifizierte Garn zu 100% lebensmittelecht, recycelbar und nachhaltig zu halten, wird es mit Tapiokastärke beschichtet, die aus der Maniokwurzel extrahiert wird.

Ein gutes Seil ist einfach und leicht in der Handhabung und verursacht keine dermatologischen Probleme. Es sollte für den vorgesehenen Zweck stark genug sein und keinen Staub aus trockenen, kurzfasrigen Fasern hinterlassen. Jute erzeugt jedoch immer Haare und lose Fasern. Das Batschöl und die Beschichtung nach dem Spinnen verringern sowohl die Haarigkeit als auch den Faserverlust.

Von allen getesteten Konditionierungsmethoden hat sich das Trocknen im Wäschetrockner als schonendste Methode erwiesen. Sie verhindert auch den Verlust von Batschöl und Beschichtung. Bei der Anwendung eines „Butters“ wird die Außenseite des Seils mit einer hautsympathischen Pflegesubstanz überzogen und weicher gemacht. Das Trocknen im Wäschetrockner entfernt auch lose Haare. Die beste Temperatureinstellung ist ausreichend, um die Butter gleichmäßig in das Seil zu schmelzen ohne dabei Batschöl zu extrahieren. Es sollte jedoch nicht zu heiß sein.

Vor dem Trocknen im Wäschetrockner müssen die Enden des Seils fest und sicher verknotet werden, um ein Aufdrehen des Seils zu verhindern. Eine Methode besteht darin die einzelnen Stränge über eine Länge von ~5cm aufzudrehen, einen einfachen Überhandknoten zu arbeiten, diesen festzuziehen und gegen das Seilende zu schieben. Da die Seilstränge getrennt wurden, verfestigt sich der Knoten besser. Das Seil soll im Wäschetrockner nicht in einen (Wäsche-)Beutel gelegt werden, da die losen Fasern sonst nicht entweichen können.

Die Butter wird hergestellt indem 100% kaltgepresstes Jojobaöl mit 100% Bienenwachs schonend in einem Topf geschmolzen und vermischt wird. Die Butter wird zum Abkühlen in ein widerstandsfähiges verschließbares Glasgefäß gegossen. Mandelöl ist eine kostengünstigere Alternative aber anfälliger für Ranzigkeit. Aus diesem Grund sollte auch kein Kokosöl verwendet werden. Tsubaki-Öl kann verwendet werden, ist aber teuer.

Die Mischung aus Öl und Wachs bestimmt die Griffigkeit des Seils in der Handhabung. Zu viel Öl auf den Wachsanteil lässt die Mischung zu tief in die Fasern eindringen und macht das Seil schwerer und fettig. Zu viel Wachs wiederum macht das Seil klebrig, was die Arbeit mit dem Seil erschwert. Eine Mischung aus ca. 3 Teilen Öl auf 1 Teil Wachs hat sich am besten bewährt.

Die Butter sollte sparsam dosiert werden und im letzten Trocknerzyklus als Klumpen zum losen Seil dazugegeben werden. Es wird empfohlen nur 2 - 3g Butter pro kg Seil zu verwenden. Wenn lose Fasern aus dem Seil austreten, können diese den Filter des Wäschetrockners verstopfen. Dieser sollte deshalb zwischen den Zyklen gereinigt werden. 3 x 30-minütige Wäschetrockner-Zyklen entfernen die meisten losen Fasern.

Nach dem Trocknen (im Wäschetrockner) sind die Seile miteinander verworren und mit losen Fasern bedeckt. Tragen Sie hierbei keine dunkle Kleidung. Zerren Sie nicht aggressiv an den Seilen. Legen Sie das Seilbündel auf eine Oberfläche, die sich leicht mit dem Staubsauger reinigen lässt und lösen Sie jedes Seil Stück für Stück aus dem Bündel. Hängen Sie die Seile über ein Rundholz und schütteln Sie jedes Seil ruckartig, um verbleibende lose Fasern zu entfernen.

Nun sind die Seile bereit für das Abflammen der übrigen Haare mittels einer sauberen blauen Flamme, z.B. einem Campingkocher. Führen Sie das Seil mit einer Geschwindigkeit von ca. 40cm pro Sekunde durch die Flamme. Erfolgt dies langsamer, besteht die Gefahr, dass Fasern versengt und beschädigt werden. Achten Sie ebenso auf Klumpen loser Fasern, die sich leicht entzünden können.

Wischen Sie die Seile mit einem mit 100% kaltgepressten Jojobaöl beträufelten Leinentuch ab. Achten Sie darauf, nicht zu viel Öl auf das Tuch aufzutragen. Jedes Seil sollte einmal in jede Richtung abgewischt werden, da es sich in die eine Richtung zusammendreht und in die andere Richtung wieder aufdreht. Hängen Sie die Seile dann für 24 Stunden über ein Rundholz, damit das Öl gut in die Oberfläche eindringen kann.

Bei JBO-behandelten Seilen werden Sie eine deutlich gelbgefärbte Flamme und erheblich mehr schwarzen Ruß feststellen. Das zum Abwischen des Seils verwendete Leinentuch wird viel stärker verschmutzt sein.

Die Konditionierung von Seilen ist ein wiederholbarer Prozess. Sie sollten ein Gefühl dafür bekommen, wann ein Seil durch Benutzung austrocknet und haariger wird. Das gelegentliche Wiederholen des Abflammens mit einer blauen Flamme und das sparsame Auftragen von Jojobaöl auf die Oberfläche des Seils wird dazu beitragen die Lebensdauer des Seils zu verlängern.

Bitte beachten Sie, dass der Trocknungsprozess und die Konditionierungsmethode die Seillage um 10 bis 15% lockern.

Ein Verständnis dafür, wie qualitativ hochwertige, konditionierte und geschmeidige Filamente ihre Festigkeit beibehalten ist hilfreich, um ein Brechen der Filamente zu verhindern. Das Spannen eines Seils über scharfe Kanten oder Befestigungen mit geringem Durchmesser erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Filamente brechen. Versuchen Sie nicht ein Seil durch aggressives Reiben gegen eine harte Oberfläche „einzubrechen“ („break-in“), um dabei Haare zu entfernen und es weicher zu machen, da dies die Filamente bricht und somit die Festigkeit des Seils beeinträchtigt.


Quellen:

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Carcinogenic Property of JBO(P) Variety of Jute Batching Oil, Mehrotra, Kumar & Antony 1988

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On the Mechanical Properties and Uncertainties of Jute Yarns, Ullah, Shahinur & Haniu 2017

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