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Technisches Blog - Klassifizierung und Verunreinigungen

Filamente
Filamente
Es ist hilfreich zu verstehen, welche Faktoren einem Bondageseil seine Griffigkeit und Stärke verleihen. Es beginnt mit der (Güte–)Klasse bzw. der Qualität des Rohmaterials.

Jute kann in 6 bis 8 Wochen bis zu 3 Metern wachsen und produziert dabei Bastfasern. Im Inneren der Pflanze sind in einem weichen Faserstamm Faserbündel enthalten. Diese werden von einer Oberhaut (Epidermis) innerhalb der äußeren Rinde und dem Bildungsgewebe (Kambium) außerhalb des inneren Holzstamms (Xylem) umgeben. Die Faser ist mehrzellig, wie eine zylindrische Hülle einzelner Fasern geformt und durch ein vertikales dreidimensionales Netzwerk verbunden.

Die beste Jutesorte ist am wenigsten anfällig für Schädlinge und Krankheiten und bringt hohe Erträge, so dass die Fasergewinnung einfacher und die Wahrscheinlichkeit einer Beschädigung der Filamente geringer ist. Fungizide sind nicht erforderlich und Bio–Insektizide können auf ein Minimum reduziert werden.

Das Anbaugebiet hat erhebliche Auswirkungen auf die Qualität der Jutefasern. Indien baut 58% und Bangladesch 40% der weltweiten Jute an. Meistens wird eine mittlere bis geringe Faserqualität produziert, da Feingarnanwendungen einen Bruchteil der Gesamtproduktion betragen. Die besten Anbaubedingungen liegen in der zentralen Verwaltungseinheit von Bangladesch.

Die Pflanzen werden normalerweise auf Bodenhöhe abgeschnitten. In überfluteten Gebieten können diese samt Wurzeln aus dem Boden gezogen werden. Fasern, die während des Wachstums im Wasser gestanden haben, sind extrem schwach. Da die Pflanze selbst nach der Ernte noch wächst sind die Spitzen immer noch aktiv und die Fasern klebrig. Für die besten Garne müssen beide Enden entfernt werden.

Die Faserqualität ist die Voraussetzung für die Herstellung formbeständiger Garne für Bondageseile. Filamentlänge, Drehsteifigkeit, Feinheit, Gleichmäßigkeit, Querschnittsform und die Menge und Art der Fehler sind allesamt entscheidende Faktoren für die Festigkeit. Jeder Defekt ist eine Schwachstelle.

Die Einstufung erfolgt nachdem die Stiele in Wasser eingeweicht, die Fasern entnommen, getrocknet und gebündelt wurden. Ein sachverständiger Kutcha trennt die lose Jute für verschiedene Anwendungen.

Bangladesch und Indien verwenden unterschiedliche Systeme, z. B. BTS (Bangla Tossa Special), BTA, etc. sind Handelsklassen. Tops, Middles, A, B, C und X Bottoms sind Kutcha–Begriffe, die bestimmen, welche Fasern in Fein–, Rupfen–, Teppich– und Sackgarne gesponnen werden. Gemäß der Empfehlung der Mühle und des nationalen Jutelabors fassen wir die Qualitätseinstufung von Jute wie folgt zusammen:

Klasse 1 (Tops): Einheitlich goldfarben bis rötlich von feinster Struktur. Mindestmaß der Filamentlänge 1,5 m. Sehr stark und sehr guter Glanz. Vollkommen frei von Fehlern und Makeln. Keine Brüche, dunkle Rinde, Abfälle, Flecken, Splitter oder Habijabi–Knäuel.

Klasse 2 (Middles): Gleichmäßig silbergrau bis goldfarben von feiner Struktur. Mindestmaß der Filamentlänge 1,25 m. Stark und guter Glanz. Völlig frei von Makeln.

Klasse 3 (A Bottoms): Sauber, unbeschädigt, hell–/mittelgrau bis kupfergrau von guter Textur. Ziemlich stark und guter Durchschnittsglanz. Mindestmaß der Filamentlänge 1 m. Frei von Makeln.

Klasse 4 (B Bottoms): Gemischte Farben, relativ bis durchschnittlich stark, gelegentliche Rinde und weiche Flecken, jedoch frei von schadhaften (Faser–)Längen. Mindestmaß der Filamentlänge 0,75 m. Geringfügig gekürzte und klebrige Spitzen sind zulässig. Frei von schwarzen drahtigen Spitzen und Wurzelenden.

Klasse 5 (C Bottoms): Von durchschnittlicher Farbe und Stärke. Mindestmaß der Filamentlänge nicht spezifiziert. Gelegentliche Rinde und Flecken, gekürzte und klebrige Spitzen sind zulässig. Frei von schwarzen Wurzelenden und schadhaften (Faser–)Längen.

Da die Qualität die Festigkeit beeinflusst, empfehlen wir, dass Sie Ihr Seil analysieren und einstufen. Wählen Sie einen Abschnitt aus und wickeln Sie die Litzen und Garnfäden auseinander. Prüfen Sie auf Mängel. Schneiden Sie ein einzelnes Garn von ~5cm Länge ab und trennen Sie sorgfältig die Filamente. Vor einem neutralen Hintergrund können Sie mit einer Lupe die ungefähre Anzahl der Filamente zählen und deren Farbe bestimmen.

Ein Garn, welches häufig für Bondageseile aus Jute verwendet wird, ist das 14/1. ‘14’ steht für die Anzahl, in diesem Fall sind es 14 Pfund pro 14400 Yards Länge (~465g/km). ‘1’ gibt die Lagen an – einlagig. Eine 8kg Garnspule ist ca. 17,2 km lang. Normalerweise wären nur Teppichgarne, die ohne JBO gebatscht wurden, so schwer. Industrieseile mit JBO werden aus Materialen der Klassen 3 bis 5 mit kürzeren, dickeren Filamenten hergestellt.

High Grade Clean Batch gilt als das hochwertigste lose Juteprodukt. Durch die Kardierung werden die Filamente parallel ausgerichtet und durch das Strecken gleichmäßig überlappt, sodass diese bereit sind für die Batschstufe und das Spinnen. Ein 14/1 HGCB–Garn besteht aus 160–180 Filamenten, wobei jedes Filament mindestens 1,5 m lang ist. Ein ø6mm Seil hergestellt aus drei Litzen zu je 11 Feingarnen hat einen durchschnittlichen Querschnitt von ca. 5600 Filamenten.

Da jedes Filament zwei Enden hat, gibt es ca. 7500 Filamentenden pro Meter – potenzielle Haare, sofern diese aus dem Seil ragen. Je höher die Qualität, desto feiner sind die Filamente und desto dünner und heller sind die Haare.

Fehlerstellen sind ein schwerwiegendes Problem bei Bondageseilen, die dem Gewicht einer Person standhalten sollen. Wenn ein 14/1 Garn einen sauberen Bruch in einem ø6mm Seil aufweist, wird die Festigkeit an diesem Punkt um mehr als 3% verringert, da die verbleibenden Garne eine asymmetrische Last tragen. Viele Fehlerstellen über eine Distanz erhöhen die Beanspruchung der verbleibenden Garne.

Alle Bilder im Album stammen von einer Auswahl handelsüblicher Juteseile:

Dunkle Rinde – härtere, drahtige, holzige kurze Filamente aus der Rinde.

Splitter – harte, scharfe Späne aus der Rinde.

Flecken – Makel, die durch Insekten, Bakterien, Krankheiten oder Fremdkörper beim Rotten verursacht werden. Problematischer mit zunehmender Streuung und Größe.

Hunka–Fasern – grobes, sprödes Material aus der Epidermis oder dem Kambium, oder durch Übertrocknung.

Wurzeln – schwerwiegender Fehler mit geringer Stärke. Dunkelbraunes oder rötliches zersetztes Wurzelmaterial, das unter feuchten Bedingungen gewachsen ist.

Stumpfe–Fasern – stumpfe, schwache Fasern, die durch Überrotten und/oder Lagerung unter feuchten Bedingungen beschädigt wurden.

Croppy–Fasern – klebrige, grobe Fasern aus der Pflanzenspitze.

Habijabi–Knäuel – verfilzte Fasern, die in das Garn eingesponnen werden.

Abfall – Fremdkörper, die beim Transport oder vom Fabrikboden aufgenommen wurden.

Bruch – mechanische Beschädigung oder Verlust einer Verunreinigung, insbesondere bei übermäßiger Verdrehung.

Da Garne nicht unendlich lang sind, befinden sich innerhalb des Seils Garnverbindungen. Die Maschinenbetreiber verbinden die Garnenden üblicherweise mit einem einfachen Kreuzknoten. Gelegentlich erscheinen diese an der Seiloberfläche und können gekürzt werden.

Schlingen – Fadenschlupf, der vom Maschinenbetreiber übersehen wurde. Durch das Eindrehen des Garns in die Litze bleibt die Festigkeit erhalten, die Ästhetik geht jedoch verloren.

Unwucht – erzeugt durch die Dralldynamik der Litzen. Mehr verbreitet in locker gelegten Seilen. Kann auch durch unerfahrenen und schlechten Umgang mit dem Seil verursacht werden.

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